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Gedenken an Enver Şimşek

Am 9. September 2000 feuerte der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) die tödlichen Schüsse auf Enver Şimşek ab. Schwer verletzt verstarb er zwei Tage später im nahegelegenen Klinikum Nürnberg Süd. Die Initiative „Das Schweigen durchbrechen!“ ruft zu einer Gedenkkundgebung am Tatort in der Liegnitzer Straße in Nürnberg-Langwasser auf. Kein Vergeben, kein Vergessen!

Mi. | 9.9.15 | 13 Uhr | Liegnitzer Straße (an der Gedenktafel)

Call for Demonstration (en)

This September marks the fifteenth anniversary of the murder of Enver Şimşek and the start of the NSU (‚National Socialist Undergrund‘) murder series. Public discourse has remained focused on the “mistakes” made by German authorities during their investigations, especially the secret services, while debates about racism in the German society remain absent. It was precisely this racism which was the basis of the 90’s militant Nazi scene, from which the NSU derived, and which allowed them to kill unhindered.

The average people of eastern and western Germany applauded the pogroms which took place after the annexation of the GDR. Their attitude explains, why nazis could see themselves as radical executioners of the public opinion in Germany. One can easily see how deep the racist resentment is rooted: The task forces investigating the cases were named ‚Bosporus‘ and ‚Halbmond‘ (crescent) without having any leads, thus blaming victims, while the local newspaper Nürnberger Zeitung coined the term ‚Döner Murders‘ which was adopted by the German media without hesitation.

We call to bring the debate about racism in the German society onto the streets of Nuremberg – the city where the NSU started its murder series and which stands like no other for an unbroken continuity of racism in Germany!

Against Germany and its nazis. But whoever is not willing to talk about racism should also keep quiet about the NSU.

DEMONSTRATION

SA / September 19th 2015 / 6 p.m.

AUFSEßPLATZ / NÜRNBERG

NSU Kurzaufruf (dt)

Diesen September jährt sich mit der Ermordung von Enver Şimşek zum 15. Mal der Beginn der Mordserie des NSU. Während sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf „Ermittlungspannen“ der Behörden, insbesondere der Verfassungsschutzämter, konzentriert, fehlt eine Auseinandersetzung mit dem Rassismus der deutschen Gesellschaft. Dieser befeuerte in den 90er Jahren die militante Naziszene, aus der der NSU entstand, und ermöglichte ihm über Jahre ungehindert zu morden.

Die nach Anschluss der DDR in Ost wie West unter Beifall der deutschen Bevölkerung verübten Pogrome machen deutlich, warum sich die Nazis jener Zeit als radikalste Vollstrecker des Volkswillens verstehen konnten. Während der Mord- und Anschlagsserie zeigte sich das tief sitzende rassistische Ressentiment zum einen in der Arbeit von Sonderkommissionen mit so bezeichnenden Namen wie „Bosporus“ und „Halbmond“, die ohne konkrete Hinweise in Täter-Opfer-Umkehr gegen die Opfer und ihre Angehörigen ermittelten. Zum anderen in der Bereitwilligkeit, mit der die bundesdeutsche Medienlandschaft auf den von der Nürnberger Zeitung geprägten Ausdruck „Döner-Morde“ ansprang.

Wir rufen dazu auf, die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichem Rassismus in Nürnberg auf die Straße zu tragen – der Stadt, in der der NSU seine mörderischen Taten begann und die wie kaum eine andere für die ungebrochene Kontinuität des Rassismus in Deutschland steht.

Gegen Deutschland und seine Nazis. Wer aber vom Rassismus nicht reden will, sollte auch vom NSU schweigen

DEMONSTRATION

SA / 19.9.15 / 18 UHR

AUFSEßPLATZ / NÜRNBERG